Warendorf: Willkommen im „anno dazumal“

Für Freunde der Mittelalterzeit ist das Treiben auf dem unteren Lohwall ein reines Freudenfest. „Ich freue mich auf ein spektakuläres Wochenende“, verkündet Marktvogt Christian Havelt, zweiter Vorsitzender des Veranstalters DubiWa (Du bist Warendorf) bei der Eröffnung, und auch die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser zeigt sich ganz angetan vom historischen Trubel. „Ein tolles Fest. So etwas braucht Warendorf“, sagt sie bevor es offiziell losgeht.

Auf 25 000 Quadratmetern gibt viel zu bestaunen und bewundern. Da sind authentisch gewandete Spielleute, Gaukler und Vaganten, Händler, Handwerker und Heerlager. Sie alle sorgen beim „Mittelalterlichen Marktfest“ für ein buntes Bild, das in die Zeit fällt zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit. Es ist alles so wie anno dazumal. Viele Besucher schlendern in bunten Leinenkleidern mit kunstvoll geflochtenen Haaren und schicken Kopfbedeckungen über den Markt. Darunter Daniela Ferger. Die Marktbesucherin ist ein leidenschaftlicher Fan dieser Epoche und mit ihren beiden Kindern angereist. Natürlich standesgemäß gekleidet. „Ich finde das Mittelalter irgendwie romantisch, weiß aber schon, dass es nicht einfach war für die Menschen damals. Deshalb freue ich mich auch darüber, dass wir Strom und fließendes Wasser habe“, so die Mutter aus Müssingen.

Rund 500 Teilnehmer sind zum 7. Mittelaltermarkt gekommen und sorgen auf dem riesigen Gelände für spannende Momente beim Publikum. Die Schaukämpfe der Ritter, die bei den hochsommerlichen Temperaturen mit ihrer 60 Kilo schweren Rüstung nicht gerade zu beneiden sind, oder die Klänge von Sackpfeife, Laute, Harfe der Bands „Scherbelhaufen“ und „Des Wahnsinns Fette Beute“.

Interessant ist auch der Einblick in die 35 Heerlager, in denen Kreuzritter, Wikinger, Adels- und Bauernfamilien das Leben im Mittelalter auf höchst interessante Art und Weise demonstrieren. Sie zeigen an den zwei Tagen, wie das Leben damals wohl in der Zeit zwischen Antike und Neuzeit gewesen sein könnte. Da wird in historischen Gewändern, mit der ganzen Familie und Freunden, an Holztischen gespeist und getrunken. In den Tavernen werden unter anderem Kirschbier und Drachenblut ausgeschenkt, überall herrscht gut gelaunter Trubel.

Auch Magnus von der Wärden Burg bummelt durch die Gassen. Er erzeugt nicht selten ein Lächeln auf den Gesichtern der Marktbesucher. Das ist dem kleinen Drachen Morbius geschuldet, den er im Arm hält. Frech quatscht er vor allem die Frauen an. „Du bist aber hübsch“, ruft er einer Dame hinterher. „Sie müssen entschuldigen, er ist 204 Jahre alt und noch in der Pubertät. Die dauert aber 800 Jahre insgesamt“, hebt Magnus bedauernd die Schultern – mit einem breiten Grinsen.

Das mittelalterliche Spektakel kommt an. Vor allem die Flugvorführungen der Falkner „Skyhunters“ sind ein Publikumsmagnet. Ebenso die Kranenburger Turmreiter und der Gaukler Jeremias. Um sie herum haben sich große Menschentrauben gebildet. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, erklärt Veit Kröger vom Veranstalter-Verein. Er bedankt sich vor allem bei den Pfadfindern für die tatkräftige Hilfe. Übrigens ist die Veranstaltung gemeinnützig. Der Überschuss geht an einen sozialen Zweck. Im vergangenen Jahr waren dies beachtliche 10 000 Euro.