Ostbevern: Die Gemeinde steckt voller Energie

Gute Nachrichten hört jeder gerne, und so war es auch nicht verwunderlich, dass Reiner Tippkötter von der „energielenker Beratungs GmbH“ im Anschluss an die Präsentation keine kritischen Fragen gestellt wurden.

Zuvor hatte er im Umwelt- und Planungsausschuss dargelegt, wo die Bevergemeinde im bundesdeutschen Vergleich steht, wenn die Kriterien des „european energy award“ (eea) zugrunde gelegt werden. „Im deutschlandweiten Vergleich der Kommunen mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern stehen sie auf Platz eins“, richtete er seine Worte an das Plenum. „Im deutschlandweiten Vergleich aller Städte und Gemeinden sogar auf Platz drei.“ Nur Saerbeck und Münster hätten mehr Punkte, was allerdings für den vorbildlichen Umgang im gesamten Münsterland mit diese Thematik stehen würde, was auch der Blick auf die weiteren Platzierungen in den Top 20 zeige.

Einer der Gründe, dass Ostbevern so gut dasteht, liegt unter anderem daran, dass die Gemeinde ein gutes Nahwärmenetz hat, an das unter anderem alle öffentliche Gebäude angeschlossen sind. „Wir haben die Fahrzeugflotte auf einen Street Scooter für den Bauhof, einen Hybrid-Passat sowie ein E-Mobil umgestellt. Letzteres soll in Zukunft durch ein Brennstoffzellen-Fahrzeug ersetzt werden“, nennt Bürgermeister Wolfgang Annen weitere Punkte, die der Bevergemeinde eine gute Bilanz geben. Für das Brennstoffzellen-Fahrzeug gebe es zudem schon Gespräche über eine mögliche „Zapfsäule“, an der dann auch Privatleute tanken könnten.

Auch die vielen Photovoltaikanlagen wie am Beverstadion oder die Windkrafträder würden ihren Beitrag für das hervorragende Abschneiden im eea-Prozess begünstigen. „Wir haben schon heute die theoretische Möglichkeit, die gesamte Gemeinde ganzjährig mit Energie zu versorgen – und haben dabei einen dicken Überschuss. Jetzt ist es wichtig, diese Energie speicherbar zu machen, zum Beispiel in Form von Wasserstoff“, schließt Annen den Kreis.

Damit die Gemeinde auch weiterhin auf den vorderen Plätzen mitmischen kann und seine hervorragende Position halten kann, gibt es gleich mehrere Bestrebungen, die kurz wie langfristig greifen sollen, so Bürgermeister Wolfgang Annen: „Allem voran das neue Rathaus, dass sehr viel effizienter ist, als der momentane Status Quo, wird uns weitere Pluspunkte bringen.“ Zudem würden langfristig immer mehr Straßenbeleuchtungen auf LED umgestellt, wie es schon an der Hauptstraße geschehen ist.

Das größte Potenzial liegt in der Zukunft allerdings bei den Bürgern der Gemeinde. Projekte wie das „Integrierte Quartierskonzept“ würden deswegen aktiv den Dialog suchen, um die Menschen dahingehend zu unterstützen, ihr Wohneigentum fit für die Zukunft zu machen und neue Wege der Mobilität zu erörtern. Dazu könnte zum Beispiel das Konzept des Stadtteilautos dienen. „Dann aber an die Begebenheiten des ländlichen Raumes angepasst“, sagt Sanierungsmanager Jürgen Schneider. „In diesem Kontext hat die Einbeziehung, Aktivierung, Motivation und Kommunikation mit Menschen im Quartier für die Erstellung des Integrierten Quartierskonzeptes ,Ostbevern – der Kern wird modern – gemeinsam Richtung Zukunft‘ einen besonders hohen Stellenwert.“

Zum Auftakt hatten die mitwirkenden Haushalte die Chance, sich mittels Fragebogen zu Zukunftsthemen und -investitionen zu äußern. Ziel sei es, die in die Jahre gekommene Gebäudesubstanz und Infrastruktur im öffentlichen wie auch privaten Bereich den heutigen energetischen Anforderungen anzupassen, indem vorhandene Optimierungspotenziale lokalisiert und im Rahmen eines integrierten Handlungskonzeptes Vorschläge zur Umsetzung aufgezeigt werden. „Wir werden noch in diesem Jahr erste Maßnahmen ableiten können“, sagt Schneider.

Zunächst wird es aber am Donnerstag, 7. Juni, einen Workshop geben, zu dem Anwohner noch in der kommenden Woche eingeladen werden. Dann werden die von der Projektgruppe abgeleiteten Maßnahmen im öffentlichen Teil der nächsten Ratssitzung vorgestellt. Eine Aktion steht aber bereits schon heute fest. „Wir werden auf dem „Sommersandkasten“ am Donnerstag, 26. Juni, das Konzept des Car-Sharings im ländlichen Gebiet vorstellen und mit einem Infostand vertreten sein“, kündigt der Sanierungsmanager an.

Aber auch die Stadtwerke ETO sorgen, zusammen mit den Bürgern, dafür, dass Ostbevern neue Punkte für den „eea“ sammeln kann. Mit der Initiative „daheim Solar“ kann jeder mit Hilfe der Sonne seinen eigenen Strom produzieren, speichern und verbrauchen. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage der Stadtwerke.

Ein deutlich größeres Projekt ist der Ausbau des Bahnhofs. „Die Maßnahmen müssen Jahre im Voraus mit der Bahn abgestimmt werden. Zumal die Trasse zwischen Münster und Osnabrück eine sehr viel befahrene ist. Aber im Oktober 2019 wird es eine Woche geben, in der die Strecke – so ist es geplant – gesperrt wird. In dieser Woche werden wir auch unsere Arbeiten terminieren“, erklärt Annen.

Der Ausbau ist Teil einer großen, über die Grenzen Ostbeverns hinausgehenden Bemühung, die Stadtregion Münster für Bahn- und Radpendler noch attraktiver zu gestalten. Dazu zählen auch Velo-Routen, die für E-Bikes optimiert sind. „Was das Thema Mobilität angeht, müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen und gemeinsam Mobilität neu denken“, ermutigt Wolfgang Annen jeden, einmal mit sich in „medias res“ zu gehen.