245.000 Euro erneut freigegeben ohne genau zu wissen, wo das Geld geblieben ist!

Beelen (Be.) Alles andere als Friede, Freude und Eierkuchen barg die gestrige Ratssitzung in sich. Nachdem die Tagesordnung neu strukturiert worden war, machte sich Rm Strübbe Luft und monierte, dass der Tagesordnungspunkt 2 der Nichtöffentlichen Sitzung – Verkaufspreis für Wohnbaugrundstücke im Baugebiet „Seehusen 3“ – zuerst vom HFA hätte behandelt werden müssen, bevor dieser in den Rat ginge. Sein Antrag auf Streichung des Punktes und vorherige Beratung im HFA wurde jedoch abgelehnt.

Beschlüsse bzgl. des Wasserversorgungskonzepts für die Gemeinde Beelen, wurden erwartungsgemäß durch gewunken. Die Einbringung des Jahresabschlusses 2017, welchen Kämmerer Lillteicher souverän mittels einer Powerpoint-Präsentation aufzeigte, kann man als Glanzmoment des gestrigen Abends bezeichnen. Einen besonderen Dank und möglicherweise bereits versteckten personellen Hinweis an den Rat, sprach Lillteicher seinem Kollegen Averbeck aus, der intensiv, fachlich, kompetent und unermüdlich am Jahresabschluss mitgearbeitet habe.

Ans Eingemachte ging es bei der Erweiterung und Umnutzung des ehem. Hauptschulgebäudes, sollten hier weitere 245.000 Euro außerplanmäßig vom Rat abgesegnet werden. Zur Beantwortung von möglichen Fragen, stand auch Architekt und Bauleiter Andreas Borgmann zur Verfügung.
Es entwickelte sich eine hitzige Diskussion, bei welcher man versuchte, sich immer wieder gegenseitig die Schuld zuzuweisen. Rm Strübbe, regte sich darüber auf, wie mit Rat und Bevölkerung bzgl. des Schulumbaus umgegangen werde. So hinters Licht geführt, wie als Ratsmitglied, sei er in den letzten 34 Jahren nicht. Der Bürgermeisterin erklärte er, dass diese sein Vertrauen verloren habe. An Bauherrin Kammann spielte diesen Ball jedoch dem Architekten zu, da dieser in der Pflicht sei und nun Antworten erwartet würden. Auch war ein interessanter Punkt, dass man offensichtlich nicht nur Positionen im Kostenplan vergessen hatte, sondern auch die Höhe der Honorare für Architekten und Fachingenieure offensichtlich nicht mehr angeglichen worden sind.

Borgmann erklärte, dass es noch im April 2017 eine Kostenaufstellung von 1,9 Millionen Euro gab, welche sich zügig auf 2,74 Millionen Euro hochschraubte. Seine Vorschläge, 2x 93.000 Euro aus „Gute Schule 2020“ in das Gebäude zu stecken fanden seinerzeit keine Beachtung. Auch bei den späteren Aufstellungen, bei welchen die Kosten anstiegen, hat der Rat diese immer wieder abgesegnet.
(Anm.d.R.: Aktuell liegt man bei 3,5 Millionen Euro, das Ende ist jedoch noch nicht erreicht.)

Auf die Frage von Rm Heuer, ob denn der Zeitplan noch passe erklärte Borgmann: „Grundsätzlich ja, manches läuft rauf, manches runter. Nicht alle Gewerke können immer gleichzeitig ausgeführt werden. Er habe jedoch die Hoffnung, am 30.6.2018 (Stichtag) WESENTLICH fertig zu sein.
Auch Rm Papenbrock sparte nicht mit Kritik. So sollen innerhalb von 4 Wochen, mal eben 400.000 Euro mehr ausgegeben werden, wobei man Kostenpläne erhielt, die man innerhalb weniger Tage absegnen solle. Auch Rm Dahlhaus stellte fest, dass der Weg zum „hoffentlich tollen Schulgebäude“ als „katastrophal“ zu bezeichnen sei.

Insgesamt machte sich der Rat jedoch wirkliche Sorgen darüber, dass der Schulumbau in der Aussendarstellung bei der Bevölkerung, aufgrund der ständigen Verzögerung und Kostenexplosion,  nicht wirklich gut ankomme.

Wirklich interessant wurde es, als Ratsmitglied Strübbe die Frage stellte, „Wo ist denn das Geld geblieben?“. Hierbei wurde aufgedeckt, dass bereits aus der Vergangenheit Beschlüsse vorlagen, in welchen Gelder für genau die Positionen freigegeben worden waren, für welche man nun erneut die Summen fordere. Hierbei wären beispielsweise die elektronischen Tafeln zu benennen, die bereits für knappe 116.000 Euro gekauft und geliefert worden sind. Auch die Aussenanlagen am Bestandsgebäude in Höhe von 93.000 Euro waren schon längst abgesegnet und das Geld bereit gestellt gewesen. Dass man nun „doppelt“ zahlen solle traf nicht jedermanns Geschmack.

Einig war man sich, dass man nun einen Kostenplan benötige, der nicht nur alle Positionen genau enthielte, sondern aus dem auch hervor ginge, an welchen Stellen die Kosten gestiegen sind und woher die Mehrkosten kommen. Auf diesen Plan kann man schon sehr gespannt sein, denn Architekt Borgmann musste kleinlaut zugeben, dass man zur wöchentlichen Baubesprechung keine lückenlose Protokolle geführt habe.
Rm Brinkkemper regte sich nun darüber auf, dass man blindlinks und kopflos in eine Immobilie investiert habe, die „angeblich“ so toll ist.

Richtig hitzig wurde es, als Bauamtsleiter Middendorf beiläufig berichtete, dass er am gestrigen Tag eine Rechnung für Rohbauarbeiten vom Architekten weitergeleitet bekommen habe, die um 30.000 Euro höher ausfalle, als zuvor kalkuliert. Er betonte allerdings, dass diese Rechnung noch nicht geprüft sei. Auch ihn „kotze“ die Salamitaktik, mit welcher er vom Architekten gefüttert werde an. Als er dann noch die Mitschuld beim Rat suchte und munter in die Runde erklärte, dass der Gemeinderat ja ein Aufsichtsrat über die Kosten sei, platzte verschiedenen Ratsmitgliedern der Kragen. Rm Hasse griff sofort ein und erklärte, dass es Middendorfs Aufgabe sei, die Gremien zu informieren. Nach einem verbalen, jedoch heftigen Schlagabtausch zwischen Rm Strübbe und dem Bauamtsleiter, musste auch Middendorf eine mögliche eigene Schuld eingestehen.
So dann versuchte Rm Brinkkemper etwas Ruhe in die Diskussion zu bringen. Seiner Meinung nach habe das Bauamt zu viele Baustellen zu betreuen. Das schlimmste was passieren könne, seien nun personelle Kündigungen der Abteilung.
Einen Schlussstrich versuchte Rm Göhring in die teilweise auch laute Diskussion zu bringen in dem er erklärte: „Ein gutes Gewitter reinigt die Luft. Die fortlaufende Terminverschiebung habe eine schlechte Außenwirkung“.
Rm Ellerbrock, die sich bislang gar nicht an der Diskussion beteiligt hatte stellte sichtlich genervt fest: „Da ich bisher gar nichts gesagt habe, stelle ich den Antrag auf Ende der Diskussion“.

Nicht alle Ratsmitglieder, von welchen auch mehrere entschuldigt fehlten, waren mit der ausserplanmässigen Einstellung der 245.000 Euro ohne KONKRETEN und VERSTÄNDLICHEN Kostenplan einverstanden, zumal nicht klar sei, wo für das Geld ausgegeben worden ist und man nun offensichtlich „doppelt“ zahlen solle. Rm Heuer merkte hierzu an, dass die Beschlussvorlage demzufolge offensichtlich falsch sei.
Rm Pomberg erklärte hingegen: „Das Geld muss bereit gestellt werden, sonst machen wir uns wegen einer möglichen Terminverschiebung in der Bevölkerung lächerlich.“
Die daraufhin von Rm Hassa beantragte NAMENTLICH zu protokollierende Abstimmung ergab 5 nein-Stimmen zu 13 ja-Stimmen. Somit wurden, wenn auch vielleicht mit Bauchschmerzen, mal wieder fast eine Viertel-Million Euro freigegeben. Dies sogar ohne konkret zu wissen – wofür eigentlich!

Als positiv kann der Steuerzahler verzeichnen, dass der zuvor tagende Bauausschluss NICHT den 100.000 Euro-Weg für die „Wunsch-Glaswand“ freigemacht hat, sondern erneut in 2019 hierüber beraten werden soll.