Everswinkel: Kreuz und Licht – Tod und Leben

Eines der Erkennungsmerkmale einer katholischen Kirche ist das so genannte „Ewige Licht“. Es ist ein ständig brennendes Öllicht in einer meist roten Hülle in der Nähe des Tabernakels, dem Aufbewahrungsschrank für das gesegnete Brot eines Gottesdienstes. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs heißt es: „Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird.“ Auch in Synagogen befindet sich ein ewiges Licht, genannt „Ner Tamid“. Es befindet sich in der Regel vor dem Toraschrein.

Das „Ewige Licht“ ist in jeder katholischen Kirche zu finden.

Das „Ewige Licht“ ist in jeder katholischen Kirche zu finden.

Ein besonders „Schmuckstück“ in der Magnus-Kirche ist der schmiedeeiserne Kreuzleuchter. Dieser stammt aus der Zeit um 1500. Das Kreuz im Inneren ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts entstanden. „Vermutlich verweist der Leuchter auf ein Symbol, das im Spätmittelalter verbreitet war“, heißt es in der Examensarbeit vom Ulrike Stadtmann aus dem Jahr 1995 über die Magnus-Kirche. „Die weit ausladenden Arme mit ihren blütenartigen Verzierungen versinnbildlichen vermutlich einen Lebensbaum. Durch den Tod Jesu auf Golgotha ist das Kreuz wohl zum Baum des Lebens geworden. Der Gedanke, dass durch den Ungehorsam Adams der Tod kam und durch den Gehorsam Jesu das Leben, wurde im Mittelalter oft aufgegriffen und könnte vielleicht für den Leuchter in der Magnus-Kirche ein Beispiel sein“, lautet die Deutung von Stadtmann. „Sterben und Auferstehen, Tod und Leben kommen in den Symbolen Kreuz und Licht zusammen.“ Seine Verwendung findet der Leuchter insbesondere bei der Verehrung des Kreuzes am Karfreitag.

Der schmiedeeiserne Kreuzleuchter aus der Zeit um 1500 zählt zu den besonderen Stücken in der St. Magnus-Kirche.

Der schmiedeeiserne Kreuzleuchter aus der Zeit um 1500 zählt zu den besonderen Stücken in der St. Magnus-Kirche.

An den Wänden der Magnus-Kirche befinden sich zwölf Leuchter mit Kerzen, die für die zwölf Apostel stehen, und an Hochfesten, wie dem Kirchweihfest, und zu besonderen Anlässen entzündet werden. Auch die Altäre sind immer mit Kerzen geschmückt. Die Osterkerze überragt in ihrer Höhe alle anderen. Zu jedem Osterfest wird feierlich eine neue Kerze entzündet, die Christus, das Licht der Welt, symbolisiert. Sie brennt an jedem Sonntag und bei Taufen, Firmungen, Hochzeiten und bei Beerdigungsgottesdiensten.

Detail-Ansicht des Kreuzleuchters.

Detail-Ansicht des Kreuzleuchters.

Zehn Tafeln mit den Zehn Geboten befinden sich auf der Südseite im Inneren des Turmschaftes. Sie sind in niederdeutscher Sprache verfasst. Vermisst wird das Original der Tafel mit dem 7. Gebot. In den Aufzeichnungen des Heimatforschers Vincenz Buntenkötter ist vermerkt, dass nach dem Umsetzen des Taufsteins die Tafeln auf dem Gewölbe der Kirche gelagert wurden. Bei einer Ausbesserung des Kirchendachs habe man vermutlich die Steintafeln als Stützunterlagen für Leitern benutzt. Dabei sei wahrscheinlich die Tafel mit dem 7. Gebot zerstört und beseitigt worden. Die jetzige Tafel ist vom Everswinkeler Steinmetzmeister Stefan Lutterbeck nachgearbeitet worden, die übrigen wurden von Lutterbeck restauriert. Die Zehn Gebote gehören zu den ältesten Texten der jüdisch-christlichen Überlieferung. Gott soll sie dem Propheten Moses übergeben haben. Sie bilden für Juden und Christen die Grundlage für deren Gesellschaftsordnung.

► Hier der Text auf den Tafeln mit den zehn Geboten:

1. Du salst nene ander Göde hebben beneben mi.

2. Du salst den Name Gades nicht vergebens voeren.

3. Du salst den Vyrdach hilligen.

4. Du salst Vader unde Moder ehren.

5. Du salst nicht doden.

6. Du salst nicht ebreken.

7. Du salst nicht stelen.

8. Du salst nicht valsche tuchnisse reden wedder dinen nesten.

9. Du salst nicht begeren siner frouwen of nee (yee) wat syn is.

10. Du salst nicht begeren dines negesten huss.

Fortsetzung der Serie folgt

Blick auf die St. Magnus-Kirche von der Vitusstraße aus im Sommer.

Blick auf die St. Magnus-Kirche von der Vitusstraße aus im Sommer. Foto: Klaus Meyer