Mit Billiglöhnern zum Glasfasernetz? Vielleicht nicht die beste Idee?

(Ne.) Auf den Baustellen der deutschen Glasfaser, die zurzeit in Beelen ein Glasfasernetz errichtet, fällt auf, dass überwiegend ausländische Mitarbeiter – vorwiegend aus dem osteuropäischen Raum – auf diesen Baustellen arbeiten. Heimische bekannte Tiefbauunternehmen sucht man vergebens.

Die Deutsche Glasfaser ist eine Tochter einer niederländischen Firma, die sich darauf spezialisiert hat, in ländlichen Bereichen Kommunikationsnetze auf Glasfaserbasis zu errichten und zu betreiben. In ländlichen Bereichen, dort wo andere große Telekommunikationsfirmen aus Rentabilitätsgründen kein Netz aufbauen,  findet man häufig die Deutsche Glasfaser als Netzbetreiber.

Warum ist dieses so? Nach unseren Recherchen beruht das Geschäftsmodell der Deutschen Glasfaser darauf, von den Kommunen die Erlaubnis zu bekommen, ihre Leitungen in geringerer Tiefe unter den Bürgersteigen verlegen zu dürfen.
Während die anderen Mitbewerber aus Sicherheitsgründen eine tiefere Verlegung ihrer Leitungen bevorzugen, ist die Deutsche Glasfaser mit der Flachverlegung und den damit geringeren Tiefbaukosten im Vorteil. Die Vergabe der Tiefbauarbeiten erfolgt an Vertragsfirmen, die sich auch der Hilfe von Subunternehmen bedienen. Mit dem damit verbundenen Niedrigerlösen für die Tiefbaugewerke im Zusammenhang mit dem Glasfaserausbau, ist das Interesse von einheimischen Unternehmen, die nach dem Tarifvertrag der IG Bauen-Agar-Umwelt ihre Mitarbeiter bezahlen, an den Aufträgen gering. So kritisierte die IG- Bauen-Agar-Umwelt in einer Dokumentation zu den Zuständen auf den Baustellen der Deutschen Glasfaser 2013 im Kreis Heinsberg, das teilweise, so die Gewerkschaft, Bruttostundenlöhne von 2,30 Euro für vertraglich fixierte 350 Stunden durch Subunternehmen an Arbeiter aus Ost Europa gezahlt worden seien. (Hier zum Nachlesen).

Auf die persönliche Nachfrage von Beelen-Online.de im Service Point der Deutschen Glasfaser in Beelen, nach welchen Tarifvertrag die Arbeiter auf den Baustellen der Deutschen Glasfaser in Beelen denn bezahlt werden, wollte man uns keine Antwort geben. Es wurde nur nach dem Namen des Redakteurs gefragt und dann anschließend scheinbar hektisch telefoniert.
Das war es dann aber auch schon mit der Auskunftsfreudigkeit. Auch auf eine entsprechende Anfrage per Email an die Pressestelle der Deutsche-Glasfaser in den Niederlanden, hat unsere Redaktion bisher keine Antwort erhalten.

Hat hier die Deutsche Glasfaser etwas zu verbergen? Das persönliche Gespräch mit den Arbeitern gestaltet sich neben der Sprachbarriere  zunehmend schwierig. Sobald Medienvertreter an diesen Baustellen auftreten, greift häufig ein Vorarbeiter oder Bauleiter ins Geschehen ein, während sich die „anderen“ Mitarbeiter schnell in einen Transporter setzen oder zu einer anderen Baustelle wandern.

Die Gemeinde Beelen hat mit der Deutschen Glasfaser eine Rahmenvereinbarung geschlossen, die der Deutschen Glasfaser Schachtarbeiten auf Gemeindegrund erlaubt. Hierfür wurde von der Gemeinde Beelen eine Konzession ausgestellt. Das Tariftreuegesetz an dem sich öffentliche Auftraggeber halten müssen, greift hier nicht, weil die Gemeinde Beelen kein Auftraggeber für die Tiefbauarbeiten zum Glasfasernetz ist. Allerdings ist die Gemeinde Beelen der Fairtrade Organisation beigetreten, die menschwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte einschließlich in den Entwicklungs- und Schwellenländern fordert. So darf bei den Sitzungen der Beelener Ratsgremien nur fair gehandelter Kaffee getrunken werden und auch andere Produkte und Dienstleistungen die die Gemeinde Beelen erwirbt, müssen dem Fairtradesiegel entsprechen. Nach unseren Erkenntnissen ist in der Rahmenvereinbarung zwischen der Deutschen Glasfaser und der Gemeinde Beelen keine Verpflichtung enthalten, der den Arbeitern auf den Baustellen der Deutschen Glasfaser eine Bezahlung nach dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV) zusichert.

Gemäß dem Tarifvertrag für das Baugewerbe in NRW stehen Bauwerker für einfache Tätigkeiten 11,30 Euro an Stundenlohn zu. Fachwerker haben 14,70 Euro und der Facharbeiter mit dreijähriger 19.51 Euro Stundenlohn.

Die Gemeinde Beelen hat vor der Erlaubniserteilung zu Tiefbauarbeiten auf Gemeindeflächen zu prüfen, ob die ausführende Firma fachlich und im Leistungsvermögen dazu auch geeignet ist.

Die augenscheinlich teilweise ungenügenden Baustellenabsicherungen und die Art der Bauausführung auf den Glasfaserbaustellen lassen Zweifel aufkommen, ob die Gemeinde Beelen hier sorgfältig genug geprüft hat. Ist hier die Gemeinde Beelen der Deutschen Glasfaser zu sehr entgegengekommen um ein Glasfasernetz in Beelen zu bekommen?

 

Der Kommentar von unserem Redaktionsmitglied Thomas Neukötter

Kommunalpolitiker und Bürgermeisterin haben alles dafür getan, das Beelen Fairtrade Town wurde, um sich das Siegel für fairen Handel und menschenwürdige Arbeitsbedingungen abholen zu können. Nun aber wird es grotesk.
Da wird in den Beelener Ratssitzungen fair gehandelter Kaffee getrunken, während draußen Arbeiter aus Osteuropa – deren Arbeitsbedingungen oftmals von den Gewerkschaften kritisiert werden -, Glasfaserrohre in die Beelener Erde verlegen. Auch wenn die Gemeinde Beelen nicht Auftraggeber ist,  die Arbeitsbedingungen dieser Arbeiter öffentlich mal nachzufragen und bei der Deutschen Glasfaser auf die Einhaltung des deutschen Bautariflohns auch oberhalb vom Mindestlohn zu drängen, wäre doch wohl nicht zu viel verlangt. Oder vielleicht doch??
Hauptsache „Billig“ und „Geiz ist Geil“ scheint die Devise zu sein. Wenn Politiker sich öffentlich besorgt über das Tierwohl in den Mastställen zeigen, dabei fair gehandelten Kaffee schlürfen, dann sollte man das gleiche Engagement auch für die Arbeiter im Glasfaserausbau in Beelen erwarten dürfen.