Grundschulumzug jetzt schon bei 3 Millionen Euro – und auch die werden nicht ausreichen!

Beelen (Be.)  „Wir machen den Weg frei“, kann sich nun auch der Gemeinderat in Beelen auf die Fahne schreiben, als man gestern Abend mal schnell weitere 500.000 Euro ausserplanmäßig für den geplanten Grundschulumzug freigab. So werden anstelle neuer Fenster nun 15 „Smartboards“ (elektronische Tafeln) für 125.000 Euro angeschafft – aber mehr dazu später.

Am gestrigen Abend fand die gemeinsame Sitzung des Schulausschusses und Gemeinderats im Beelener Rathaus statt. Neben einer aktuellen und aufschlussreichen Kostenrechnung, die vom ausführenden Architekten Borgmann vorgestellt wurde, mussten alle Anwesenden auch einige Überraschungen zur Kenntnis nehmen. Es wird nicht nur wesentlich teurer, sondern der geplante Grundschulumzug verschiebt sich erneut nach hinten.

Grund hierfür ist insbesondere, dass man nun im Deckenbereich, auf rund 3.500m²,  Schadstoffe festgestellt hat, die aufwendig beseitigt werden mussten. Hierbei handelt es sich um eine künstliche Mineralfaser (KMF), die ähnlich wie Asbest, gesundheitsschädlich ist. Damit aber nicht genug, denn auch diverse Verkabelungen müssen aus Gründen des Brandschutzes erneuert, bzw. in neue Kanäle verlegt werden.

Will man das Forum als Versammlungsstätte weiter nutzen, so muss dieses mit einer zusätzlichen Lüftungsanlage ausgestattet werden, da man sonst Gefahr läuft, hierfür keine Abnahme zu bekommen, führte Borgmann aus.

Die derzeit benötigte Kücheneinrichtung der neuen Mensa mit rund 40.000 Euro netto, für einige Kühlgerätschaften, Tischen und Umkleiden, sowie Gerätschaften zum Erhitzen von Tiefkühlware, kann man da schon fast als „Schnäppchen“ bezeichnen, da hier auch noch vorhandene Gegenstände und Geräte der Vergangenheit weiter genutzt werden. In den nächsten Jahren ist es angedacht, die Mensaküche zum „Selbstkochen“, mit weiteren Geräten für rund 60.000 Euro netto weiter aufzustocken.

Auch die Installation eines AMOK-Alarmsystems kommt zum Tragen. Nach der Kurzvorstellung von 4 Varianten, die alle Vor- und Nachteile aufwiesen, entschied man sich für eine Variante der Kostenmittelklasse, welches an die neue Telefonanlage angekoppelt werden soll. Hierbei werden auch in allen Klassen- und Fachräumen feste Telefone installiert, die sowohl die Intern- als auch Extern-Telefonie ermöglichen. Durch die Anbindung des Alarmsystems an die Telefonanlage, werden mittels eines bestimmten Codes und des daraufhin folgender Klingeltons, alle Klassen gleichzeitig im Alarmfall informiert, der potentieller Täter jedoch nicht. Wie möglicherweise Schüler und Lehrer, die sich im Forum, der Sporthalle und/oder auf dem Schulhof befinden, im Alarmfall gewarnt werden können, hatte man nicht ausgearbeitet.

Als es um die Inneneinrichtung der Schule ging, packte Schulleiter Martin Heinrichs seinen Wunschzettel aus. Geschickt erklärte er den Mitgliedern vom Schulausschuss und Rat, dass man viel vorhandenes Mobiliar herübertragen würde, trotzdem jedoch Neuanschaffungen nötig sind. Er freute sich mitteilen zu können, dass diese jedoch im Rahmen der bereits bereitgestellten 125.000 Euro blieben. Als Einleitung zeigte er einen kleinen Film, der so Manchen ins Staunen versetze und ein Stück weit an die Montessori-Schule erinnerte, die noch vor einigen Jahren, mal kurzfristig als weiterführende Schule, in Beelen im Gespräch war. Neben Schränken und rollbaren Regalen bzw. Ablagen, soll jeder Klassenraum mit einem roll- und höhenverstellbaren Stehtisch ausgestattet werden, so dass „Bewegung“ in die Klassenräume kommt. Wenn später auch die alten Möbel mal ausgedient haben, ist dieses System mit roll- und höhenverstellbaren Schultischen, nebst rollbaren Stühlen für die Schülerinnen und Schüler erweiterbar.
In das Konzept wurden auch direkt neue Tafeln für die Klassenräume eingearbeitet, die sich auf einem 3 Meter breiten, doppelten Schienensystem befinden und dank des geringen Eigengewichts mal auf die obere Schiene für Lehrer, als auch auf die untere Schiene für Schüler gehängt werden können.

Das Mobiliar im Lehrerzimmer hat nun endgültig ausgedient und wird vollständig mit Tischen und neuen ergonomischen, roll- und höhenverstellbaren Stühlen mit Armlehnen ausgestattet. Pro Stuhl belaufen sich die Kosten auf ca. 180,00 Euro, was angeblich die „günstigste“ Variante sei.
Zweifelsfrei hätte man bei der „Wunscheinrichtung“ mal den Rotstift ansetzen können, es traute sich aber niemand.

Als es dann im späteren Verlauf auch noch um die zusätzliche Anschaffung von Smartboards  (elektronischen Tafeln) ging, die bislang nicht in den Kostenrahmen einkalkuliert waren, rief dieser Posten bei so manchem Zuhörer Unverständnis hervor, schließlich werden noch neue Fenster benötigt, die noch nicht in der Kostenkalkulation vorhanden sind.

Ob Schulausschuss und Rat der Meinung waren, dass neue Fenster derzeit überbewertet werden und man aus diesem Grund 15 Smartboards á 75 Zoll, für stolze 125.000 Euro vorzog oder ob hier noch das schlechte Gewissen plagt, weil Beelen keine weiterführende Schule mehr vorweisen kann, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Generell einstimmig schlug der Schulausschuss dem Rat die Genehmigung der jeweils einzelnen Posten vor. Auch der Rat stimmte sodann einstimmig dafür.

Finanziert werden die Anschaffungen neben den Einnahmen aus der Gewerbesteuer auch aus dem Förderprogramm „Gute Schule 2020“, bei welchem 370.620 Euro zur Verfügung stehen, jedoch verteilt auf 3 Jahre. Zusätzlich können ggf. auch noch weitere zweckgebundene Fördermittel von knapp 200.000 Euro zum Tragen kommen, wusste Kämmerer Lillteicher zu berichten, die jedoch noch nicht vollständig abgesegnet sind und deren Auszahlung wohl erst in 2018 erfolgen könnte.

Die Beelener SPD-brachte noch einen Antrag ins Spiel, nach welchem in Zweifel gezogen wurde, ob die Bürgermeisterin zur Auftragsvergabe an den Architekten vollumfänglich das Ratsmandat erhalten hat.

Hier holte Beelens Kämmerer Lillteicher für die erste Bürgerin die Kohlen aus dem Feuer und erklärte, dass man dieses vom Verständnis her unterschiedlich auslegen könne. Sollten jedoch Zweifel bestehen, sei es problemlos machbar, dies in der kommenden Ratssitzung, im Nachgang vom Rat genehmigen zu lassen.

In der der Ratssitzung, die im Nachgang erst um 21.08 Uhr begann, wurden mal fix die benötigten 350.000 sowie 210.000 Euro durch gewunken.

Aktuell beläuft sich der Kostenplan auf rund 3 Millionen Euro. Absehbar ist bereits heute, dass auch diese sehr wahrscheinlich nicht ausreichen werden.

Dass bereits das Richtfest der Mensa mit rund 1000 Euro zu Buche schlug ist das Eine.  Dass man jedoch nun 7.500 Euro für die bevorstehende Einweihungsfeier im Haushalt 2018 veranschlagt, werden vielleicht nicht alle Bürgerinnen und Bürger verstehen.

Als Umzugstermin werden nun die Osterferien 2018 angepeilt – falls nichts Weiteres, Unvorhergesehenes, dazwischen kommt.